Brandgefahren in der Landwirtschaft

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hier finden sie unseren monatlichen Artikel auf Favcebook, diesmal Gedanken zum Thema Brandgefahren in der Landwirtschaft. manchmal kommen weder Heu noch Stroh auf dem Hof an.
Deutlich sichtbar auch die Luftverschmutzung.
Foto: Robert Letsch.
hier unterstützt der Landwirt die Feuerwehr.
Foto: Robert Letsch.


manchmal kommt weder Heu noch Stroh auf dem Hof an.
Foto: Polizei Gütersloh.
leider liegt das Heu nicht immer sicher. Es genügt ein Funke zur Zündung.
Foto: FFW Klütz.
hier brennt ein Stoppelfeld.
Foto: Feuerwehr Herzebrock.
dieser Landwirt sorgt vor.
Foto: Rainer Schwarz.
auf großen Dachflächen in der Landwirschaft findet man oft Photovoltaikanlagen. Auch in diesem Bereich kann es zu einem Dachstuhlbrand, nicht nur aufgrund von Marder -und andere Tiere oder eines Kurzschlusses kommen.
Foto: PV
leider verfügt nicht jede Bauerschaft über so eoinen Löschwasserversorgung.
Foto: Rainer Schwarz.
vorbildlich mit Feuerlöscher.
Foto: Rainer Schwarz.
dieser Mähdrescher brennt leider.
Foto: Feuerwehr Möhnesee.

Die Landwirtschaft befindet sich in den letzten Jahrzehnten einem stetigen Wandel, der nicht nur technisch bedingt ist. In kaum einen anderen Wirtschaftszweig ereignen sich so viele Brände. Deshalb hier einige Gedanken zum Thema Sicherheit.
Es gibt ca. 275.400 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland, die über ca. 1.000.000 Mitarbeiter verfügen.
Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Vom Forstbetrieb bis zur Viehhaltung, alles umfasst die Landwirtschaft. Eigentlich muss ein Landwirt somit Fachmann für Tiere und der tierischen Erzeugnisse, für den Ackerbau, (Anbau, Ernte und Düngemittel), die Forstwirtschaft (Holzeinschlag) bis hin zum Weinanbau, aber auch für die Fahrzeugtechnik, Lagerung und Logistik sein. Vor diesem Hintergrund sollten auch die Feuerrisiken stets neu bewertet werden. Die heutigen großen Stallungen können nicht mehr mit den alten Stallungen verglichen werden. Nicht nur aufgrund der Größe, der computergesteuerten Fütterungsanlagen, der Photovoltaikanlage - oder Biogasanlagen steigen die Risiken. Dazu kommen noch Windkraftanlagen. Die größte Brandgefahr geht auch in diesem Bereich von der Elektrik aus.
Eine weitere Brandgefahr ergibt sich aufgrund des Alters, aber auch in der Anzahl der Gebäude, insbesondere der Anzahl der Stallungen und der Fahrzeuge und Maschinen, die für den Betrieb gebraucht werden.


Gebäude und Stallungen

Bei den Einstallungen von Küken, wird der Stall oftmals noch mittels Gasstrahler vorwärmt. Hängen die Gasstrahler zu tief, fängt das höher liegende trockene Stroh zu brennen an. Manchmal sind diese Gasstrahler so alt, dass Rost durch die Hitze abplatzt und glühend in das Stroh fällt. Es kam auch vor, dass der Stall brennt, bevor die Küken eingestallt wurden.
Deutschland ist ein Land der Pferdeliebhaber. Kommt es in einem Pferdestall zu einem Brand, sind die Pferde eher selten zu retten. Aufgrund des Brandpotenzials (Heu und Stroh) breitet sich ein Brand extrem schnell aus. Deshalb sollten sich die Boxentüren leicht öffnen lassen, evtl. schwerkraftunterstützt und in Richtung Ausgang. Ausgangstore und Türen sollten generell nach außen aufgehen. Dipl. Ing. Markus Hauser hat eine sehr gute Ausarbeitung zu diesem Thema erarbeitet.
Siehe: http://brand-feuer.de/index.php?title=Pferdestall
Neben der Belegung der Pferdeboxen, der Ordnung auf einem Pferdehof, der Gefahr von Fahrzeugen (Katalysator), auf Feuerbrücken, die Löschwasserversorgung und vieles mehr wird dort eingegangen. Es gibt es auch immer noch Leute, die auf einem Pferdehof rauchen.
Haben sie schon mal einen Pferdestall mit einer Sprinkleranlage gesehen? Warum eigentlich nicht?

In heutiger Zeit ergänzen gerade kleinere landwirtschaftliche Anwesen ihre Betriebe. Sie stellen die Dachflächen für Photovoltaikanlagen zur Verfügung, ihre Scheunen zum Unterstellen von Booten oder Wohnwagen oder gar für sogenannte Schrauberbuden. Damit ist eine mit der Versicherungen abgestimmte Nutzung nicht mehr gegeben, obwohl damit die Brandgefahr erneut ansteigt.
Mit dem Beginn der Erntezeit erhöht sich die Brandgefahr erneut.
Nochmehr Brandpotenzial (Erntegut) wird in die Scheune gebracht. Auch die Erntemaschinen arbeiteten auch Hochtouren. Oft gelangt das Erntegut gar nicht erst in die Scheune. Aufgrund von Heißläufern, Kurzschlüssen usw. brennt es vor einer Einlagerung. siehe Bild
Landwirtschaftliche Anwesen werden selten komplett neu errichtet, im Laufe der Jahre sind diese gewachsen, das bedeutet, dass man den Betrieb immer weiter vergrößerte. Auf Brandabschnitte, eine Brandschutzwand, auf Brandschutztüren, wie auf eine gesicherte Elektrik (Nager, Blitzschutz, Meldeeinrichtungen) wird dabei primär nicht geachtet.
Es gibt aber auch sogenannte Notausschalter, um Gebäudeteile, wie auch Lüftungen oder Transportanlagen im Brandfall stromlos zu schalten.
In der Vergangenheit habe ich Brände von neueren Stallungen aufgenommen, bei denen Dachfenster und Flächen aus Kunststoff verbaut wurden. Der geschmolzene Kunststoff tropfte dann während des Brandes auf die Tiere. Einige mussten eingeschläfert werden. Solche Kunstoffenster sollten nicht über den Tierboxen angebracht werden, sondern in der Stallmitte.


Sicherheit:

Brandschutzkonzepte für landwirtschaftliche Betriebe sind eher selten.
Gerade die heutige hoch technisierte Zeit beinhaltet gute vernetzte Meldesysteme. Ein landwirtschaftlicher Betrieb besteht selten aus einem Gebäude. Die neue Generation der Rauchmelder (Ansaugrauchmelder) sind funkvernetzt und melden auf mehrere Handys. Das bedeutet, dass jedes Gebäude somit auch mit einem Rauchmelder ausgestattet werden kann.
Ein Brandschutzkonzept beinhaltet auch, dass die Masse an Brandpotenzial beurteilt wird. Der Heuvorrat sollte nicht in der Nähe eines Gebäudes gelagert werden. Sämtliche Maschinen sollten nicht in einem Gebäudeteil untergestellt werden. Man sollte Brandabschnitte erstellen, so können Heu oder landwirtschaftliche Maschinen dementsprechend aufgeteilt werden.
Sinnvoll erscheint es ebenfalls nicht, dass Werkstatträume indem geschweißt, geflext oder gelötet wird, sich im gleichen Gebäudeteil befinden, in dem Heu, Dünger oder ähnliches brennbares Material lagert. Auch deshalb sollten sie kein Feuerwerk in der Nähe ihres landwirtschaftlichen Betriebes zulassen.
Sollte es mal zu einem Brand kommen, gibt es hoffentlich auch Hydranten oder einen funktionierenden Löschteich auf dem Gelände. Bei Neu- oder Anbauten sollte insbesondere ein neuer Brandabschnitt wie auch an eine zumindest ergänzende Wasserversorgung gedacht werden. siehe Bild
Gibt es in jedem Haupthaus, in einer Scheune, in einer Werkstatt oder in einem Stall geprüfte Feuerlöscher, den man gegen einen Entstehungsbrand einsetzen kann? Warum werden diese nicht auf den Erntefahrzeugen, Mähdrescher, einem Trecker oder einer Ballenpresse mitgeführt?


Eines ist sicher, Landwirte sind hoch motiviert, sonst könnten sie diesen hohen Arbeitsaufwand nicht bewältigen. Bei Betrieben mit mehreren Mitarbeitern ist eine Brandschutzunterweisung unverzichtbar. Unterwiesene Mitarbeiter können einen Entstehungsbrand ohne Zeitverzug und ohne Eigengefährdung bekämpfen. Ein brennender Traktor oder Mähdrescher auf dem Feld kann sich weiter ausbreiten und andere Fahrzeuge oder einen angrenzenden Wald in Gefahr bringen.
In Deutschland gab es 2016 insgesamt 608 Waldbrände, die Mehrzahl davon durch Brandstiftung.
Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Hier besteht also eine weitere Brandgefahr, gerade in der Sommerzeit.


Versicherung und Absicherung

Die Landwirte sind sich nicht immer der Brandgefahr und dem damit verbunden Arbeitsausfall bewusst. Vielleicht ist auch mal eine Hofbegehung mit Mitarbeitern der Feuerwehr denkbar?
Ein Blick in den Versicherungsvertrag klärt wie bzw. ob die Gebäude und Fahrzeuge auf Neuwert versichert sind oder ob bei älteren Gebäuden eine andere Regelung zutrifft? Es gibt spezielle landwirtschaftliche Sachversicherungen. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung oder Ertragsschutz-Versicherung schützt vor den wirtschaftlichen Folgen, wenn der Betrieb stillsteht, auch nach Schäden an Einrichtungen, Vorräten und Waren durch Feuer.
Zu einem Brand kann es immer und überall kommen. Macht man sich vorher Gedanken, ist man vorbereitet.

Auch hier gilt, im Schadensfall ist man nachweispflichtig. Vorher gefertigte Bilder und Auflistungen von Maschinendaten helfen dabei.



Autor und Fotos: Rainer Schwarz


Siehe auch:



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