Vorbeugender Brandschutz bei Photovoltaikanlagen

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ob die Brandursache ein technischer Defekt ist, klärt u. a. die Kriminalpolizei oder die Versicherung.
Foto: Stefan Brunner
Wohnhaus mit einer Photovoltaikanlage. Vorbeugender Brandschutz bei Photovoltaikanlagen ist sinnvoll.
Foto: Ulrich Wolf
nicht fachgerechte Verkabelung eines PV-Generators
Foto: Ulrich Wolf
zerstörter elektrischer Anschluss an einem PV-Modul durch Lichtbogen
Foto: Ulrich Wolf
Gleichspannungsstecker zerstört
Foto: Ulrich Wolf
starker Schmorschaden an einem Sicherungselement
Foto: Ulrich Wolf
verschmorte Modulanschlussdose eines PV-Moduls
Vorbeugender Brandschutz bei Photovoltaikanlagen
Foto: Ulrich Wolf

Warum kann es zu Schäden kommen und was kann man als Anlagenbetreiber präventiv tun?


Brennen PV-Anlagen wirklich so oft?

Zunächst möchte ich auf die Frage eingehen, ob denn Photovoltaikanlagen wirklich so oft „brennen“, wie es manchmal angenommen wird. Für eine Umfrage des Institut für Solare Energiesysteme ISE über einen Zeitraum von circa drei Jahren wurden ungefähr 430 Fälle von Brand- und Hitzeschäden an PV-Anlagen untersucht.
Hierbei wurden nur die gemeldeten Schäden der Jahre 2013-2015 erfasst. Im Jahr 2013 waren circa 1,3 Mio. PV-Anlagen in Deutschland in Betrieb.

in etwa 210 Fällen war die Brandursache in der PV-Anlage,
bei den verbleibenden 220 Fällen waren externe Ereignisse die Brandursache


Folgende Auswirkungen hatten die 210 Schadensfälle, bei denen die Ursache innerhalb der Anlage war:

  • In 62% der Fälle wurde die PV-Anlage oder Komponenten davon beschädigt,
  • bei 32% wurde das Gebäude beschädigt und in
  • 6% ist das Gebäude abgebrannt.


Warum kommt es überhaupt zum Schaden oder Brand?

Ebenfalls wurde untersucht, welche Ursachen für die (Brand)Schäden verantwortlich waren.

Den größten Anteil mit rund 39% hatten Installationsmängel
Ein weiterer größerer Anteil mit 36% waren Produktfehler
Aber auch Planungsfehler mit 18% Anteil trugen zu den Schäden bei
In 10 % der Fälle waren es äußere Einflüsse






Bei den Installationsmängeln sind folgende Fehler zu nennen:

  • Gleichspannungsstecker schlecht gesteckt,
  • Stecker schlecht oder nicht verpresst (gecrimpt),
  • Schraubklemmen nicht angezogen,
  • fehlende Zugentlastung von Kabeln und unsachgemäße Verarbeitung von Alu-Leitungen
  • Produktfehler betreffen meist PV-Module und Wechselrichter. Bei verschiedenen Modulherstellern gab es Serienfehler und bei den Wechselrichtern sind z.B. Fertigungsfehler zu nennen.


Zu den Planungsfehlern zählen beispielsweise die ungeschützte Montage von Anschlusskästen und Wechselrichtern, die aufgrund von Temperatur oder Feuchtigkeit zu Bränden führte. Ebenso sind fehlende Brandschotts von Gleichspannungsleitungen als baulicher Fehler anzusehen, der den Brandschaden vergrößern wird. Die Unterdimensionierung von elektrischen Leitungen oder Schaltern und falsche Klemmen und andere elektrische Bauteile können zu den Planungsfehlern gehören. Äußere Einflüsse sind Tierfrass (Marder und andere Tiere) oder Blitzschlag.

Die meisten Schadenfälle traten zwischen den Monaten Mai und August und zwischen 12:00 und 17:00 Uhr auf, also dann, wenn die solare Einstrahlungsleistung sehr hoch ist.


Was kann man als Anlagenbetreiber präventiv tun?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Durch regelmäßige Kontrolle und Überprüfung lassen sich Fehler und Schäden, die brandauslösend sein können, frühzeitig erkennen.
Dazu gehört eine regelmäßige, monatliche Ertragskontrolle durch Protokollierung der Zählerstände. Dies kann per Hand oder mittels Datenlogger automatisch geschehen.
Ebenfalls monatlich ist die Generatorfläche, also die PV-Module auf dem Dach zu sichten. Gibt es Verschmutzungen, Verfärbungen, lose Kabel oder gar Glasbruch, kann das zum Problem werden.

Auch der Wechselrichter sollte täglich einer Sichtprüfung unterzogen werden.

Wie ist der Betriebszustand?
Gibt es Störungsmeldungen?
Sind alle Anschlüsse in Ordnung?

Zu guter Letzt wäre der Wartungsauftrag durch eine Elektrofachkraft zu nennen. Gemäß der DGUV Vorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ und der VDE 0126-23 ist diese Überprüfung alle vier Jahre verpflichtend. Ein Blick in die Versicherungsbedingungen ist aus Sicht des Verfassers zu empfehlen. Es ist möglich, dass der Versicherer im Schadensfall einen entsprechenden Wartungsnachweis verlangt.
Die Wartung oder der E-Check PV umfasst die Prüfung aller elektrischen Verbindungen, die Leistungsmessung und Sichtprüfung des Generators, die Funktionsprüfung der Sicherheitseinrichtungen und umfangreiche elektrische Messungen. Ggf. wird eine Infrarotaufnahme mit Analyse der Anlage angefertigt. Natürlich inkl. der ordentlichen Dokumentation.


Grundsätzliche Maßnahmen zur Brandverhütung:

  • keine alten Elektrogeräte verwenden
  • bei längerer Abwesenheit Netzstecker ziehen
  • Überlastung von Mehrfachsteckdosen vermeiden
  • keine „Verkettung“ durch mehrere Mehrfachsteckdosen
  • beschädigte Elektrogeräte nicht weiter benutzen, Stecker raus!
  • Vorsicht im Umgang mit Kerzen, Zigaretten und Feuer
  • Filter (Absauglüfter) der Dunstabzugshaube (sofern vorhanden) in der Küche regelmäßig reinigen oder auswechseln
  • vorgeschriebene Rauchwarnmelder regelmäßig prüfen
  • zusätzliche Rauchwarnmelder im Bereich vom Zählerschrank und in der Nähe der PV-Wechselrichter (sofern im Haus oder Keller installiert) anbringen. Bestenfalls funkvernetzt
  • Ordnung im Bereich von elektrischen Anlagen halten

Keine zusätzlichen Brandlasten wie z.B. Kartons, Verpackungsmaterial und brennbare Flüssigkeiten lagern


Richtiges Verhalten bei einem Defekt:

  • Ruhe bewahren!
  • Ausmaß feststellen, sich aber nicht in Gefahr bringen
  • bei Schäden am Generator oder außerhalb vom Gebäude Wechselrichter abschalten (Leitungsschutzschalter oder Sicherungen ausschalten) und die Fachfirma informieren (Techniker-Notruf)
  • weiter beobachten, ob es eine Rauchentwicklung gibt
  • bei Überflutung oder Rohrbruch besteht Stromschlaggefahr, falls elektrische Anlagenteile, Wechselrichter oder andere Bauteile der PV-Anlage unter Wasser stehen


Richtiges Verhalten bei einem Brand:

  • Ruhe bewahren!
  • Brand melden – Notruf 112
  • Leitstelle auf PV-Anlage hinweisen
  • in Sicherheit bringen
  • alle Personen aus dem Haus
  • Türen und Fenster schließen
  • Löschversuch unternehmen, falls gefahrlos möglich
  • Anweisungen der Einsatzkräfte Folge leisten; ggf. nochmal auf PV-Anlage hinweisen
    • Wichtig: Vertrauen sie den Einsatzkräften. Die wissen, was zu tun ist.



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